MRT-Fusionsbiopsie der Prostata in Berlin
Gewebeentnahme durch den Damm – präzise, ohne Infektionsrisiko.
Die MRT-Fusionsbiopsie überlagert MRT-Bilder mit Echtzeit-Ultraschall und punktiert gezielt verdächtige Areale der Prostata. Unsere Ärzte haben diese Technik ab 2013 an der Charité eingeführt und über 3.000 Biopsien durchgeführt – Jahre bevor sie Leitlinien-Standard wurde.
Termin buchenWas ist eine MRT-Fusionsbiopsie?
Bei der MRT-Fusionsbiopsie werden vorab erstellte MRT-Bilder der Prostata mit dem Echtzeit-Ultraschall während des Eingriffs zusammengeführt – fusioniert. Der Arzt sieht auf dem Bildschirm beide Bilddaten gleichzeitig und kann verdächtige Areale millimetergenau ansteuern. Die Gewebeproben werden exakt dort entnommen, wo das MRT der Prostata eine Auffälligkeit gezeigt hat.
Die Grundlage bildet das PI-RADS-System, das MRT-Befunde auf einer Skala von 1 bis 5 bewertet. Ab einem PI-RADS-Score von 3 gilt ein Areal als abklärungsbedürftig. In einer Studie unserer Ärzte an 408 Patienten lag die Detektionsrate bei PI-RADS 5 bei 89 Prozent – das bedeutet: Bei neun von zehn Patienten mit einem hochverdächtigen MRT-Befund bestätigte die Fusionsbiopsie den Krebsverdacht (Cash et al. 2015).¹
Die herkömmliche Biopsie entnimmt Gewebeproben systematisch aus verschiedenen Regionen der Prostata – ohne gezieltes Ansteuern verdächtiger Stellen. Sie trifft klinisch relevante Karzinome deutlich seltener. Die Fusionsbiopsie ergänzt diese systematische Entnahme um die gezielte Punktion der MRT-auffälligen Areale und verbessert so die diagnostische Treffsicherheit erheblich.
Vorteile der Fusionsbiopsie durch den Damm
Bei ProUro führen wir die Fusionsbiopsie perineal durch – also über den Damm, die Hautfläche zwischen Hodensack und After. Dieser Zugangsweg bietet gegenüber der transrektalen Biopsie über den Enddarm drei wesentliche Vorteile.
Ihre Vorteile auf einen Blick
Höhere Treffsicherheit
MRT-Daten und Echtzeit-Ultraschall werden fusioniert. Verdächtige Areale werden auf den halben Millimeter genau punktiert statt zufällig getroffen. In einer Studie an 318 biopsie-naiven Patienten lag die Gesamt-Detektionsrate bei 77 Prozent (Cash 2018).²
Kein Infektionsrisiko
Die Nadel durchdringt die Haut, nicht die Darmwand. Das Risiko für Prostata-Infektionen und Blutvergiftungen entfällt. Eine Antibiotika-Einnahme vor dem Eingriff ist nicht nötig.
Einsatz des Mikro-Ultraschalls
Bei jeder Biopsie ergänzen wir die Fusion mit dem hochauflösenden Mikro-Ultraschall (29 MHz). Diese zusätzliche Bildgebung kann Areale sichtbar machen, die im MRT nicht aufgefallen sind
Die perineale Fusionsbiopsie eignet sich auch für Männer, die bereits eine oder mehrere Biopsien hinter sich haben – etwa bei weiterhin erhöhtem PSA nach negativer Vorbiopsie. Ebenso ist sie das Verfahren der Wahl für die Verlaufskontrolle unter Active Surveillance, bei der Patienten mit einem Niedrigrisiko-Karzinom regelmäßig kontrolliert werden.
Ablauf der Fusionsbiopsie bei ProUro
Der Ablauf gliedert sich in fünf Schritte. Der gesamte Eingriff dauert etwa 20 bis 30 Minuten.
Schritt 1 – MRT beim Radiologen. Vor der Biopsie erhalten Sie eine multiparametrische MRT der Prostata bei einem spezialisierten Radiologen. Die Kosten dafür übernehmen gesetzliche und private Krankenkassen in der Regel.
Schritt 2 – Bilddaten laden. Die MRT-Bilder werden in unser Ultraschallgerät eingelesen. Der Arzt markiert die verdächtigen Areale, die der Radiologe im Befund beschrieben hat.
Schritt 3 – Biopsie durch den Damm. Der Arzt führt die Biopsienadel über den Damm ein und entnimmt gezielt Gewebeproben aus den MRT-auffälligen Arealen – gesteuert durch den hochauflösenden Mikro-Ultraschall (29 MHz) für höchste Präzision. Parallel erfolgen systematische Proben aus weiteren Regionen der Prostata.
Schritt 4 – Ergebnis. Die Gewebeproben werden durch erfahrene Pathologen untersucht. Das Ergebnis liegt in der Regel nach 5 bis 7 Werktagen vor. Wir besprechen den Befund persönlich mit Ihnen und empfehlen bei Bedarf die nächsten Schritte.
Vorbereitung auf die Fusionsbiopsie
Bringen Sie den MRT-Befund und die Bild-CD zum Termin mit. Falls Sie blutverdünnende Medikamente einnehmen, klären wir im Vorgespräch, ob und wann diese pausiert werden müssen.
Haben Sie einen auffälligen MRT-Befund? Vereinbaren Sie ein Beratungsgespräch – wir klären mit Ihnen die nächsten Schritte.
Wann ist eine Fusionsbiopsie sinnvoll?
Nicht jeder erhöhte PSA-Wert erfordert eine Biopsie. Die PROKOMB-Studie – publiziert in JAMA Oncology mit 593 Männern aus 54 Berliner Praxen – hat gezeigt: Bei Männern mit unauffälligem MRT konnten 86 Prozent die Biopsie über drei Jahre sicher vermeiden. Der negative Vorhersagewert der MRT lag bei 96 Prozent (Hamm et al. 2025).³
Die MRT als vorgeschaltete Untersuchung sortiert: Sie zeigt, ob eine Biopsie überhaupt nötig ist und wenn ja, wo genau. Eine Fusionsbiopsie empfehlen wir in diesen Situationen:
Auffälliger MRT-Befund (PI-RADS 3 oder höher). Die MRT hat ein verdächtiges Areal gefunden. Die Fusionsbiopsie klärt, ob es sich um ein Karzinom handelt.
Erhöhter PSA-Wert bei unauffälligem Tastbefund. Der PSA-Wert ist wiederholt erhöht, die Ursache aber unklar. Eine gezielte Biopsie kann Klarheit schaffen.
Negative Vorbiopsie bei weiterhin erhöhtem PSA. Eine frühere Biopsie war unauffällig, doch der PSA steigt weiter. Die Fusionsbiopsie erreicht in dieser Situation eine höhere Treffsicherheit als eine erneute systematische Biopsie.
Active Surveillance. Bei einem gesicherten Niedrigrisiko-Prostatakarzinom unter aktiver Überwachung dient die Fusionsbiopsie der regelmäßigen Kontrolle, ob das Karzinom stabil bleibt oder eine Behandlung notwendig wird.
Kosten und Kostenübernahme
Die Fusionsbiopsie ist eine Leistung, deren Kosten sich aus zwei Teilen zusammensetzen.
Die Biopsie selbst – also die Gewebeentnahme – ist bei gesetzlich Versicherten eine Kassenleistung. Die Fusionskomponente und der Einsatz des Mikro-Ultraschalls werden von gesetzlichen Kassen derzeit nicht übernommen. Dieser Anteil ist eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL). Auch gesetzlich Versicherte erhalten bei uns die Fusionsbiopsie mit Mikro-Ultraschall – die entsprechenden Mehrkosten tragen sie als Zuzahlung selbst.
Private Krankenversicherungen erstatten die Fusionsbiopsie in der Regel vollständig. Die MRT der Prostata, die vorab beim Radiologen durchgeführt wird, wird sowohl von gesetzlichen als auch von privaten Kassen übernommen.
Die genauen Kosten hängen vom Umfang der Untersuchung ab. Wir besprechen die Kostensituation transparent im Vorgespräch und beraten Sie auch zur Erstattungsfähigkeit bei Ihrer Versicherung.
Quellen:
- Cash H, Maxeiner A, Stephan C et al. The detection of significant prostate cancer is correlated with the Prostate Imaging Reporting and Data System (PI-RADS) in MRI/transrectal ultrasound fusion biopsy. World Journal of Urology. 2016;34(4):525-532. Paper des Jahres 2015.
- Maxeiner A, Kittner B, Blobel C et al., Cash H. Primary magnetic resonance imaging/ultrasonography fusion-guided biopsy of the prostate. BJU International. 2018;122(2):211-218.
- Hamm CA, Asbach P, Poehlmann H et al., Cash H. Oncological Safety of MRI-Informed Biopsy Decision-Making in Men With Suspected Prostate Cancer. JAMA Oncology. 2025;11(2):145-153.
- Hofbauer SL, Kittner B, Maxeiner A et al., Cash H. Validation of PI-RADS version 2 for the detection of prostate cancer. The Journal of Urology. 2018. (704 Patienten)
- Falagario UG, Pellegrino F et al., Cash H. Prostate cancer detection and complications of MRI-targeted prostate biopsy using cognitive registration, software-assisted image fusion or in-bore guidance. Prostate Cancer and Prostatic Diseases. 2024.
- S3-Leitlinie Prostatakarzinom (AWMF, aktuelle Fassung).
Unsere Ärzte haben die MRT-/Ultraschall-Fusionsbiopsie ab 2013 an der Charité Berlin eingeführt und wissenschaftlich begleitet – Jahre bevor sie 2022 zum Leitlinien-Standard wurde. Heute führen wir jährlich hunderte Fusionsbiopsien durch den Damm durch: ohne Infektionsrisiko und dank Einsatz des Mikro-Ultraschalls mit höchster Präzision.
Gezielte Diagnostik bei Verdacht auf Prostatakrebs
Unsere Ärzte beraten Sie zu Ihren Befunden und empfehlen den nächsten Schritt.
Ihre Ansprechpersonen
Charité-erfahrene Urologen mit Schwerpunkt Prostata-Diagnostik und Fusionsbiopsie.
Prof. Dr. med. Hannes Cash
Facharzt für Urologie
Mikro-Ultraschall · Medikamentöse Tumortherapie · Lasertherapie · Prostata-Diagnostik
Dr. med. John Buckendahl
Facharzt für Urologie
Mikro-Ultraschall · Medikamentöse Tumortherapie · Lasertherapie · Andrologie
Häufige Fragen zur Fusionsbiopsie
Ist eine Fusionsbiopsie schmerzhaft?
Nein. Der Eingriff findet unter Kurznarkose statt – Sie spüren nichts. Nach dem Aufwachen kann ein leichtes Druckgefühl im Dammbereich auftreten, das in der Regel rasch abklingt. Schmerzmittel sind selten nötig.
Welche Risiken hat eine Fusionsbiopsie durch den Damm?
Das größte Risiko der klassischen transrektalen Biopsie – eine Infektion durch Darmbakterien – entfällt beim perinealen Zugangsweg vollständig. Es ist keine Antibiotika-Prophylaxe nötig. Leichte Blutbeimengungen im Urin oder Sperma können in den Tagen nach dem Eingriff auftreten und sind harmlos. Schwerwiegende Komplikationen sind sehr selten.
Wie unterscheidet sich die Fusionsbiopsie von einer normalen Biopsie?
Bei der herkömmlichen Biopsie werden Gewebeproben systematisch aus verschiedenen Bereichen der Prostata entnommen – ohne gezielte Steuerung. Die Fusionsbiopsie ergänzt diese systematische Entnahme um die gezielte Punktion der im MRT auffälligen Areale. Die Treffsicherheit für klinisch relevante Karzinome steigt dadurch deutlich. Ein weiterer Unterschied: Bei ProUro erfolgt der Zugang über den Damm statt über den Enddarm, was das Infektionsrisiko eliminiert. Ein Überblick über alle diagnostischen Verfahren findet sich unter Prostataerkrankungen im Überblick.
Ist eine MRT-gesteuerte Biopsie besser als eine Fusionsbiopsie?
Die Begriffe werden unterschiedlich verwendet. Eine „In-Bore"-Biopsie findet direkt im MRT-Gerät statt – aufwendig, teuer und in der Verfügbarkeit begrenzt. Die Fusionsbiopsie verbindet die Stärke der MRT-Bildgebung mit der Flexibilität des Ultraschalls: Der Arzt sieht die MRT-Daten in Echtzeit und kann frei navigieren. Studien zeigen vergleichbare Detektionsraten für beide Verfahren.⁵ Die Fusionsbiopsie ist der in Leitlinien empfohlene Standard.
Wann bekomme ich das Ergebnis meiner Fusionsbiopsie?
Die Gewebeproben werden im pathologischen Labor untersucht. In der Regel liegt das Ergebnis nach 3 bis 5 Werktagen vor. Wir besprechen den Befund persönlich mit Ihnen – telefonisch oder in einem Folgetermin – und empfehlen bei Auffälligkeiten gemeinsam die nächsten Schritte, etwa zur Diagnose eines Prostatakarzinoms.