iTIND: Minimalinvasive BPH-Behandlung ohne OP
Gewebeumformung statt Gewebeentfernung – mit Erhalt der Ejakulation.
iTIND ist ein temporäres Implantat aus Formgedächtnismetall, das für wenige Tage in die Prostata eingesetzt wird und die Harnröhre durch gezielten Druck erweitert. Kein Gewebe wird geschnitten oder abgetragen – zurück bleibt eine erweiterte Harnröhre.
Termin buchenDas iTIND-Verfahren im Überblick
iTIND ist ein minimalinvasives Verfahren zur Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung. Ein temporäres Implantat aus Nitinol wird über die Harnröhre eingesetzt und nach 5 bis 7 Tagen wieder entfernt. In dieser Zeit formt es das Prostatagewebe um und schafft drei Kanäle, die den Harnabfluss verbessern. Es bleibt kein dauerhaftes Implantat zurück.
Das Verfahren ordnet sich zwischen der medikamentösen Therapie und operativen Eingriffen wie der TURP ein. Die American Urological Association (AUA) hat iTIND 2023 als Behandlungsoption in ihre Leitlinie aufgenommen [6]. Anders als der Greenlight-Laser oder die Wasserdampftherapie (Rezum) wird beim iTIND-Verfahren kein Gewebe zerstört oder entfernt – die Wirkung beruht ausschließlich auf mechanischer Umformung.
Funktionsweise und Ablauf der Behandlung
Das iTIND-Implantat besteht aus Nitinol, einer Legierung aus Nickel und Titan mit Formgedächtniseigenschaft. Im zusammengefalteten Zustand wird es per Zystoskopie – einer Blasenspiegelung – durch die Harnröhre in die Prostata eingebracht. Dort entfaltet sich das Implantat, das an ein kleines Körbchen erinnert, und übt gezielten Druck auf das Prostatagewebe aus.
Über 5 bis 7 Tage entstehen durch diesen Druck drei längliche Kanäle in der Prostata. Gleichzeitig wird der Blasenhals erweitert. Das unter Druck stehende Gewebe wird vom Körper natürlich abgebaut. Während der Liegezeit ragt ein dünner Faden aus der Harnröhre, der am Penis befestigt wird. Nach Ablauf der Tragezeit wird das Implantat über diesen Faden per Katheter zusammengefaltet und entfernt.
Der Eingriff selbst dauert wenige Minuten und erfolgt ambulant unter Sedierung oder örtlicher Betäubung. Auch die Entfernung ist ein kurzer, ambulanter Vorgang. Eine Vollnarkose ist nicht erforderlich.
Für wen ist iTIND geeignet?
Das iTIND-Verfahren richtet sich an Männer mit milden bis moderaten BPH-Beschwerden und einer Prostatagröße von bis zu 75 ml (AUA-Leitlinie 2023) [6]. Besonders geeignet ist es für Patienten, denen der Erhalt des Samenergusses wichtig ist, die eine Alternative zur dauerhaften Medikamenteneinnahme suchen oder eine schnelle Rückkehr in den Alltag anstreben. Der ambulante Charakter des Eingriffs und die kurze Erholungszeit machen das Verfahren auch für Männer interessant, die eine klassische Operation vermeiden möchten.
Nicht geeignet ist iTIND bei einem obstruktiven Mittellappen der Prostata. Auch bei schweren Beschwerden oder sehr großen Drüsen stößt das Verfahren an seine Grenzen – hier kommen operative Methoden wie der Greenlight-Laser oder die TURP eher in Frage. Die Entscheidung, ob iTIND für Ihre Situation sinnvoll ist, erfordert eine individuelle urologische Untersuchung.
iTIND im Vergleich mit Greenlight-Laser, Rezum und TURP
Welches BPH-Verfahren geeignet ist, hängt von Prostatagröße, Beschwerdegrad und persönlichen Prioritäten ab. Die folgende Tabelle stellt iTIND den gängigen Alternativen gegenüber.
| Kriterium | iTIND | Greenlight-Laser | Rezum | TURP |
|---|---|---|---|---|
| Invasivität | Sehr gering (Umformung) | Mittel (Verdampfung) | Gering (Wasserdampf) | Hoch (Resektion) |
| Narkose | Sedierung / Lokal | Narkose / Spinal | Sedierung / Lokal | Narkose / Spinal |
| Ejakulationserhalt | Ja (~100 %) | Nein (retrograde Ejakulation häufig) | Ja (hoch) | Nein (~65 % retrograde Ejakulation) |
| Katheterzeit | Kein Dauerkatheter (Faden 5–7 Tage) | 1–2 Tage | 3–7 Tage | 2–3 Tage |
| Gewebeentfernung | Nein | Ja | Ja (thermisch) | Ja |
| Prostatagröße | 25–75 ml | Keine Obergrenze | 30–80 ml | Keine Obergrenze |
| Permanentes Implantat | Nein | Nein | Nein | Nein |
| Medianer Lappen | Kontraindikation | Möglich | Möglich | Möglich |
| Wirkungseintritt | 4–6 Wochen | Sofort | 2–4 Wochen | Sofort |
| Langzeitdaten | Bis 79 Monate | >10 Jahre | 5 Jahre | >20 Jahre |
iTIND ist das am wenigsten invasive Verfahren in dieser Übersicht – mit dem klarsten Profil beim Ejakulationserhalt. Das geht mit Einschränkungen einher: Die Evidenzbasis ist schmaler als bei den etablierten Verfahren, das Volumenspektrum enger, und ein obstruktiver Mittellappen schließt die Behandlung aus. Für Männer mit geeigneter Anatomie und dem Wunsch nach maximal gewebeschonendem Vorgehen kann iTIND die richtige Wahl sein.
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Ergebnisse und Studienlage
Die klinische Evidenz zu iTIND basiert auf mehreren prospektiven Studien und einer randomisierten kontrollierten Studie (RCT). In der MT-02-Studie (Porpiglia et al. 2019, n=81) verbesserte sich der IPSS – der internationale Prostata-Symptom-Score – nach 12 Monaten um 60 Prozent. Der maximale Harnfluss (Qmax) nahm um 104 Prozent zu [1].
Die einzige RCT (Chughtai et al. 2021, n=175) verglich iTIND mit einer Scheinbehandlung. Die iTIND-Gruppe zeigte eine IPSS-Reduktion von 9,25 Punkten gegenüber der Kontrollgruppe. Neue Erektionsstörungen oder Ejakulationsprobleme traten nicht auf [2]. Eine separate Analyse der sexuellen Funktion (Elterman et al. 2022) bestätigte: In keinem Fall kam es zu Anejakulation, vermindertem Ejakulationsvolumen oder schmerzhafter Ejakulation [5].
Langzeitdaten liegen über 79 Monate vor. In der Nachbeobachtung der MT-02-Kohorte (Amparore et al. 2023) hielt die IPSS-Verbesserung bei minus 45 Prozent an. Die kumulative Re-Interventionsrate betrug 11,1 Prozent [4]. Eine Netzwerk-Meta-Analyse (Shin et al. 2024) ordnete iTIND beim Wiederbehandlungsrisiko günstig ein [7].
Zur Einordnung: Die Datenlage ist jünger und schmaler als bei etablierten Verfahren. Es existiert bisher eine RCT und keine direkten Vergleichsstudien mit anderen BPH-Therapien. Die AUA-Leitlinie stuft die Empfehlung als Expert Opinion ein [6].
Mögliche Nebenwirkungen
Während der 5- bis 7-tägigen Liegezeit des Implantats treten häufig leichte Beschwerden auf: Brennen beim Wasserlassen (Dysurie, ca. 23 Prozent), Blutbeimengungen im Urin (Hämaturie, 12–14 Prozent) und Druckgefühl im Beckenbereich. Diese Symptome klingen nach Entfernung des Implantats ab.
Selten kommt es zu einem vorübergehenden Harnverhalt (2,4–9,9 Prozent der Fälle) oder einer Harnwegsinfektion. Schwere Komplikationen (Clavien-Dindo Grad III oder höher) wurden in keiner der publizierten Studien berichtet. Nach 36 Monaten traten keine Spätkomplikationen auf [3].
Ein zentraler Unterschied zu operativen Verfahren: Da kein Gewebe entfernt wird, besteht kein Risiko für Inkontinenz und kein Risiko für retrograde Ejakulation.
Was kostet das iTIND-Verfahren?
iTIND ist derzeit keine reguläre Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Abrechnung erfolgt in der Regel als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) oder über Sondervereinbarungen. Private Krankenversicherungen erstatten die Kosten häufig, da das Verfahren medizinisch begründet und in internationalen Leitlinien verankert ist. Ob eine Kostenübernahme für Ihre Situation möglich ist, klären Sie am besten direkt mit Ihrer Versicherung. Die genauen Kosten hängen von der individuellen Befundsituation ab und werden im ärztlichen Beratungsgespräch transparent besprochen.
iTIND-Beratung bei ProUro in Berlin
ProUro berät Sie zu allen gängigen BPH-Verfahren – auch zu iTIND. Aktuell bieten wir das Verfahren nicht als Standardleistung an, können Sie jedoch im Rahmen eines Beratungsgesprächs über den Ablauf, die Eignung und mögliche Behandlungswege informieren. Sprechen Sie uns an, wenn Sie gezielt an iTIND interessiert sind.
Unser Schwerpunkt bei der Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung liegt auf dem Greenlight-Laser und der Wasserdampftherapie (Rezum) – zwei Verfahren, die wir regelmäßig an der MEOCLINIC Berlin durchführen. Im Beratungsgespräch ordnen wir gemeinsam ein, welches Verfahren zu Ihren Beschwerden, Ihrer Anatomie und Ihren Behandlungszielen passt. Diese Einordnung umfasst auch Verfahren wie iTIND, die wir auf Anfrage vermitteln können.
Quellen:
- Porpiglia F et al. 3-Year follow-up of temporary implantable nitinol device implantation for the treatment of benign prostatic obstruction. BJU Int 2019;123(6):1061-1069.
- Chughtai B et al. A Randomized, Controlled, Blinded Trial of the Temporarily Implanted Nitinol Device (iTIND) for Lower Urinary Tract Symptoms Secondary to Benign Prostatic Hyperplasia. Urology 2021;153:270-276.
- Amparore D et al. Temporarily implantable nitinol device (iTIND): 3-year outcomes of the MT-02 study. Prostate Cancer Prostatic Dis 2021;24(2):349-357.
- Amparore D et al. Long-term outcomes of iTIND: 79-month follow-up of the MT-02 cohort. Minerva Urol Nephrol 2023.
- Elterman D et al. Sexual Function Outcomes After Treatment With the Temporarily Implanted Nitinol Device (iTIND). J Endourol 2022;37(1):74-79.
- Sandhu JS et al. Surgical Management of Lower Urinary Tract Symptoms Attributed to Benign Prostatic Hyperplasia: AUA Guideline Amendment 2023. J Urol 2024;211(1):11-19.
- Shin BNH et al. Network meta-analysis of minimally invasive surgical treatments for BPH. BJU Int 2024;134(2):155-165.
Persönliche Beratung bei Prostatavergrößerung
Wir beraten Sie individuell zu Ihren Behandlungsmöglichkeiten – von der Diagnose bis zur Therapieempfehlung.
Häufige Fragen zu iTIND
Wie lange dauert der iTIND-Eingriff?
Das Einsetzen des Implantats dauert wenige Minuten und erfolgt ambulant unter Sedierung oder örtlicher Betäubung. Das Implantat verbleibt 5 bis 7 Tage in der Prostata und wird dann in einem zweiten kurzen ambulanten Termin entfernt.
Bleibt der Samenerguss nach iTIND erhalten?
Ja. In allen prospektiven Studien blieb die Ejakulation vollständig erhalten. Eine separate Analyse der sexuellen Funktion (Elterman et al. 2022) bestätigte, dass weder Anejakulation noch vermindertes Ejakulationsvolumen auftraten [5]. Dies ist ein wesentlicher Unterschied zu operativen Verfahren wie der TURP.
Wird iTIND von der Krankenkasse bezahlt?
Beide Verfahren sind minimalinvasiv und schonen die Ejakulation. Der Unterschied liegt im Wirkprinzip: iTIND formt das Prostatagewebe durch mechanischen Druck um – es wird kein Gewebe zerstört. Bei der Wasserdampftherapie (Rezum) wird Gewebe durch Wasserdampf thermisch abgetragen. Rezum hat eine breitere Datenbasis und ist auch bei einem obstruktiven Mittellappen einsetzbar.